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Bestzeit in Tschechien

Vom 20. bis 22. September ging es für mich das erste Mal zu einem Rennen nach Tschechien. Auch sonst war ich noch nicht wirklich in dem Land gewesen. Trainingsrunden, die uns in unseren Trainingslagern auf dem Rabenberg im Erzgebirge über die Grenze nach Tschechien führten, zähle ich mal nicht mit.

Da mein letztes Halbmarathonrennen im April 2018 in Berlin stattfand, war ich doch recht nervös und auch etwas unsicher, was mich auf der halben Marathondistanz erwarten würde.

Obwohl ich schon einige Rennen über die 21,1km absolviert habe, bin ich mit dieser Strecke noch nicht richtig warm geworden. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt. Ich liebe die schnellen 10er auf der Straße und Marathon ist meine Disziplin; Der „Halbe“ schnell und lang – etwas dazwischen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich meine Halben immer direkt aus der Höhe bestritten habe und jedes Mal unheimlich kämpfen und beißen musste und dennoch nicht mein erhofftes Ziel erreichte. 

Usti sollte mein erster Halbmarathon im Herbst werden. Dieses Mal sollte es besser werden.

Die Anreise nach Usti Nad Labem (Aussig an der Elbe) bewältigte ich mit der Bahn. Entspannt fuhren wir durchs Elbsandsteingebirge und lange Passagen an der Elbe entlang. Eine super schöne und auch noch zum Teil unberührte Gegend.

Nach Ankunft und vor dem Technical Meeting lief ich noch einige kleine Runden gemeinsam mit Tobias Blum zum Beine ausschütteln und wir stellten dabei fest, dass Usti ganz schöne Berge aufweist. Ich war gespannt auf die Streckenbesprechung und das Höhenprofil.

Dieses wies drei Anstiege aus, doch es waren am Ende doch ein paar mehr, aber ich hatte ja gut in den Bergen trainiert und konnte sie daher ordentlich laufen.

Startschuss fiel für Männer und Frauen um 15 Uhr bei blauem Himmel und Temperaturen im Schatten von 19 Grad. Demnach war es in der Sonne wieder schön warm und ich begeistert … leider hatte auch der Wind im Laufe des Tages gut zugenommen, was bedeutete, dass man sich eine Gruppe zum Verstecken suchen sollte. 

Mit meiner Meldezeit lag ich im Frauenfeld auf Rang 6, kannte aber auch die Unterdistanz- und zum Teil Marathonzeiten der Mädels. Gegen einige bin ich bereits bei der WM in London und auch vergangenes Jahr bei der EM in Berlin gestartet. Alles klasse, schnelle Mädels aus Europa.

Meine Marschroute sollte in Richtung 72min gehen; Dies bedeutet ein Schnitt von 3:24min/km. Da der erste Kilometer meist schneller ist, war geplant, diesen nicht unter 3:20 Minuten anzulaufen.

Der erste Kilometer lag am Fuß des ersten Berges und obwohl ich in der Führungsgruppe mitrollen wollte, ließ ich die Mädels nach Kilometer eins am ersten Anstieg ziehen. Sie sprinteten fast den Berg hoch und obwohl ich aktiv mitmarschierte, verlor ich den Anschluss.

Mit einer 3:18 und einer 3:22 auf den ersten 2 Kilometern lief ich fast 10 Sekunden langsamer an, als das führende Quintett.

Nun hieß es für mich marschieren und Tempo finden. Die vorher erhoffte Gruppe hatte ich mit zwei Mädels und ein paar Männern gefunden. Allerdings liefen wir wie die aufgereihten Perlen an einer Schnur, um Windschatten zu erhaschen, mit mir als Zugpferd XD 

Es fühlte sich gut an und ich konnte kraftvoll laufen, allerdings kostete es einiges an Energie, was ich nach und nach zu spüren bekam. 

Kurz vor Kilometer 5 erhielt ich die Info, dass die Spitzengruppe schon langsam auseinanderfiel. Da ich die Mädels mit dem Uhrenwagen immer in Sicht hatte, fühlte ich mich sicher, noch nicht zu weit abgefallen zu sein und die eine oder andere Läuferin einkassieren zu können. 

Am Wendepunkt, bei Kilometer 9, ab wo dann die Rückenwindpassage kam, überholte mich einer der Tschechen und deutete mir an, mich bei ihm reinzuhängen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir die Vorjahressiegerin Lilia Fisikovici (70:45), welche als erste aus der Führungsgruppe rausgefallen war, bereits eingesammelt.

Da der Kurs an zwei Stellen eine Hin-und Zurück-Strecke aufwies, konnte man die führenden und auch nachfolgenden Läuferinnen verfolgen und Abstände besser einschätzen. Hendrik Pfeiffer, der das Männerrennen für sich entschied, konnte ich dadurch auch an führender Position ausmachen und ihm ein paar Worte zurufen.

Kurz vor Kilometer 11 sah ich plötzlich Tobias neben mir auftauchen und sich neben den Tschechen positionieren. Er fragte nach dem Tempo und dass er mir etwas helfen wolle. Ich war überrascht, ihn hier und nicht vorne in der Männerspitze zu sehen, aber nahm sein Angebot dankend an.

Ein Kilometer später deutete der Tscheche an, ich solle mich an Tobi halten, er kann nicht mehr und ließ sich abfallen.

Nun war ich an 5. Position im Frauenfeld, ein Platz besser als gemeldet und hatte die nächste Läuferin vor mir in Sicht, die immer näher kam. Obwohl wir weiterhin ein gutes Tempo liefen und ich gefühlt nicht nachließ, wurde der Abstand nicht kleiner. Die Ukrainerin wehrte sich fast 6 Kilometer gegen unser Näherkommen. Bei Kilometer 18 hatten wir sie schließlich und ich war stehend ko. Ab Kilometer 14 merkte ich, dass die Kräfte nachließen, welche ich auf den ersten 9 Kilometern gegen den Wind genutzt hatte. Sich an die Ukrainerin heranzuziehen, hat ebenso Kraft gekostet und nun hatten wir sie und sie hing sich, verständlicherweise, bei uns rein. 

Wenn man selber kaputt ist und dann eine Gegnerin nicht los wird, ist das sehr demotivierend, aber es waren ja nur noch 3 Kilometer. 

Bei Kilometer 20 stand meine Mama und rief mir zu, dass es noch eine Bestzeit werden kann, wenn ich weitermarschiere. 

Das motivierte mich sehr und ich sagte mir; Erstmal zur Brücke und dann hoch. Kurze schnelle Schritte und die Ukrainerin klebte an mir dran. Auf der Mitte der Brücke stand das Schild mit den letzten 600m. Die Brücke runter zog ich das Tempo an, um Schwung für den letzten Anstieg vor der Zielgerade zu holen. Den Anstieg lief ich im Vollsprint hoch, um beim Einbiegen auf die Zielgerade festzustellen, dass die noch ganz schön lang war – 300m.

Aus dem Augenwinkel sah ich das Uhrenfahrzeug mit einer Zeit von 71:38min anzeigen und ich gab alles, damit es eine schöne Bestzeit werden würde.

Im Ziel blieb die Uhr bei 1:12:23h stehen und ich war happy. Zwar hatte ich mit dem 4. Platz knapp das Podium verpasst, aber in einem Gold Label Race 40 wichtige Zusatzpunkte geholt, eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt und meinen ersten Halbmarathon bestritten, der mir wirklich Spaß gemacht hatte.

Als ich meine Zwischenzeiten erfuhr, war ich auch sehr überrascht, dass ich ein sehr gleichmäßiges Rennen gelaufen bin, obwohl ich gar nicht das Gefühl hatte.

5km in 17:09min / 10km in 34:20 / 15km in 51:30 / 20km in 68:40 / 21,1km in 3:43min

–> Ergebnisse 

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