Osaka Women’s Marathon

Bereits 2018 im Herbst erhielt ich meine erste Anfrage nach Japan zum
Osaka Women’s Marathon zu kommen. Aufgrund meiner Fuß – OP musste ich dieses Angebot verschieben.
Nun war es endlich soweit. Mit Vorfreude, aber auch Nervosität und ein wenig Angst trat ich gemeinsam mit meiner Trainerin und meinem Mann die Reise nach Fern Ost an.
Im Gepäck viele kleine und große Präsente und natürlich fertige Gerichte für meine Saltin-Diät.

Anreise und Orientierung

Da in Japan Fleisch sehr teuer ist und ich eben auch die japanische Kost mit deren Gewürzen nicht gewöhnt bin, sorgte ich vor. Man ist so schon aufgeregt und eine Magenverstimmung kann man dann wirklich nicht gebrauchen. Fisch, Nüsse und Milchprodukte gab es in Mengen, allerdings vieles stark gewürzt.

Unsere Reise startete Montag früh und am Dienstagmorgen erreichten wir Osaka. 6 Tage vor meinem Start beim Marathon. 
Der eine oder andere würde bei 8 Stunden Zeitverschiebung dies als sehr kurz empfinden. Es war für mich allerdings kein Problem. Zum einen war eine frühere Anreise nicht möglich, zum anderen bin ich jemand, der immer und überall schlafen kann 😀 – so habe ich auch den gesamten Hinflug geschlafen. Und jede darauf folgende Nacht 10-11 Stunden! Ein Segen, Ich weiß 😉

Das Athletenhotel befand sich direkt am Park zum Osaka Castle. Damit hatten wir perfekte Laufmöglichlichkeiten. Denn die Stadt ansonsten ist sehr voll, laut und verkehrsreich. Eine Orientierung annähernd aussichtslos! Zumindest für mich. Der Park mit dem Castle bot für mein Training und meine 2. Ausbelastung (5km schnell) top Voraussetzungen.

Mit einem Blumenstrauß wurden wir willkommen geheißen und auch sonst waren der Veranstalter und seine Akteure freundlich, hilfsbereit und sehr zuvorkommend. 
Für die Zeit unseres Aufenthaltes wurde uns Rie, die selber mehrere Jahre in Deutschland studiert hatte, als Dolmetscherin zur Seite gestellt und so mussten wir uns nicht nur mit Händen und Füßen verständigen.

Asics

Am Donnerstag vor dem Rennen wurde mir eine ganz besondere Ehre zu Teil. Ich durfte das „kleinere“ Headquarter von meinem Ausrüster ASICS in Kobe besuchen und erhielt Einblicke in deren Arbeit und Forschung. Ebenso wurde ich vermessen und gemessen und erhielt am Ende des Tages eine persönliche Analyse meiner Person inklusive Haltung, Kräfteverteilung und Vorschläge zur Verbesserung meiner Energiebereitstellung (lauftechnisch gesehen). Aber im Großen und Ganzen schnitt ich positiv ab ^^

Im Anschluss erhielt ich noch den neuen MetaRacer, der so schnell wie möglich meinerseits eingelaufen und getestet wird.

abends ging es mit der Crew noch bei einem familiären Geheimtipp essen. Da ich im Cardioloading war, blieb es für mich bei Nudeln. Dennoch lecker.

Das Rennen rückt näher

Von Tag zu Tag stieg auch meine Aufregung und ebenso etwas Angst vor dem Kommenden. 
Natürlich weiß man als Profi, was auf einen zukommt und hofft (mehr oder weniger) damit umgehen zu können, dennoch ist es jedes Mal wieder furchtbar. Man freut sich und ebenso ist man nervös. Man geht sämtliche Szenarien durch und wie man sie bewältigt. 
Da es für mich der erste Start in einem japanischen Marathon war und auch der erste in einem reinen Frauenrennen (abgesehen von int. Meisterschaften) wusste ich nur durch Video der Vorjahresrennen und den Erzählungen meiner Mama, wie dieser Wettkampftag und auch das Rennen selber ablaufen.

Dass wir einige Interviews und TV-Aufnahmen hatten, fühlte sich da schon wieder vertrauter an.
Amüsant auch die Aufmachungen in Zeitung und TV am Ende 😀 Auch sonst sollte man sich über nichts wundern; Pudel in Weltraumkostümen oder eben ein Uhu im Kinderwagen, der durch die Gegend gefahren wird XD

In Japan läuft alles nach einem strickten Zeitplan ab. Termine beginnen pünktlich auf die Minute und auch die Busabfahrt zum Stadion am Renntag wurde auf die Minute genau gestartet. Ich war ehrlich überrascht ALLE Läuferinnen an Bord vorzufinden, denn es gibt einige Länder, die es nicht so mit der „deutsch-japanischen“ Pünktlichkeit haben 😉

Der Start des 29. Osaka Women‘s Marathon befand sich im Nagai Stadion – ebenso das Ziel. Auch das war für mich neu.
Vor dem Rennen hielten wir uns in den Katakomben auf und zum Warmup ging es dann auf die Bahn. Meine Beine waren eine Mischung zwischen Blei und Wackelpudding. Allerdings sah der Laufstil meiner Kolleginnen beim Einlaufen nicht besser aus !! 
Der letzte Call fand 11:55 auf dem Rasen mitten im Stadion statt – zusammen mit über 300 weiteren Läuferinnen. Nach erfolgter Vorstellung fiel pünktlich um 12:10 Uhr der Startschuss. 

Taktik und Plan für das Rennen

Der Slogan des Laufes hieß „Breaking the 2:22:23h“. Dementsprechend gab es 5 weibliche Pacemaker für ein Tempo zwischen 3:20/3:21 auf den Kilometer. Da das für einige Mädels deutlich zu schnell war, bildeten wir eine eigene Gruppe mit einem Tempo von 17:15-17:30/5km. 
Da man aber nie weiß, was kommt, hatten meine Trainerin und ich verabredet, sich auf jeden Fall einer Gruppe anzuschließen, bevor man alleine zwischen zwei Feldern gegen den Wind ankämpft.
Der Bereich für das Tempo war da recht breit mit zwischen 3:33-3:27/km. 

Da es bis auf die mitfahrenden TV-Fahrzeuge keine Streckenbegleitung durch Trainer oder Manager gab (das gibt es bei großen Marathon „eigentlich“ nie) konnten alle Trainer und Manager, Familie/Freunde im Stadion vor dem Bildschirm das Rennen verfolgen. Der Athlet bzw. die Athletin ist bei der Getränkeaufnahme und dem Rennverlauf komplett auf sich alleine gestellt. Ich empfand das angenehmer, als wohl der eine oder andere Trainer selber.

Das Rennen

Aller Wettervorhersagen zu trotz kam zu unserem Rennen die Sonne raus und der Wind fühlte sich nicht zu kalt und heftig an.
Die ersten 850m liefen wir im Stadion bevor es raus, ein letztes Anfeuern durch Familie und Trainern, in die City ging.
Unsere Gruppe war am Anfang recht unsortiert und unruhig, ebenso auch ungleichmäßig im Tempo.
So hatten wir einige Rempler, ein Umknicken durch Lisa Weightman (AUS) und eine Tempodifferenz von 16sek/km zu bewerkstelligen, bevor es endlich ruhig und gleichmäßig wurde. In der Führungsarbeit wurde sich immer wieder abgewechselt, denn durch die langen Straßen hatte man doch eine gute Windangriffsfläche.

Meine erste Trinkflasche rutschte mir aus der Hand, was allerdings nicht schlimm war. Für alle kommenden Verpflegungsstellen nahm ich mir vor, mit beiden Händen zu zugreifen, auch wenn das den Laufrhythmus etwas stört. 
Gott sei dank hatte ich meine Flasche mit Deutschlandfahnen versehen und so viel diese durch ihre eher „langweilige“ Gestaltung zwischen den bunten und glitzernden Flaschen der Japanerinnen etwas auf!

Unsere 5km-Durchgangszeiten waren sehr konstant: 17:30 / 17:26 / 17:21 / 17:30.
Den Halbmarathon gingen wir dann in 1:13:37h durch und meine Beine fühlten sich sehr gut an. Ich freute mich auf die Wende bei KM 22,4, denn ab dann hieß es „Heimweg“. 

Nach der Wende wurde das Tempo auch etwas erhöht, pendelte sich dann aber wieder ein. Die ersten Mädels fielen ab und leider bekam ich irgendwo zwischen Kilometer 25 und 26 einen Tritt von hinten in die Beine. Definitiv unbeabsichtigt, denn sowas passiert, allerdings zog mir dies die Beine weg und ich stolperte ein paar Schritte, fing mich wieder. Durch dieses „aus dem Tritt“ kommen, muss meine Muskulatur einen Schlag wegbekommen haben, denn mein rechter Oberschenkelansatz verkrampfte sich recht plötzlich. Was mich sehr ärgerte, denn ich konnte den Schritt nicht mehr ordentlich ziehen. Gemeinsam mit zwei weiteren Japanerinnen verlor ich den Anschluss an die Gruppe und versuchte das Tempo einigermaßen aufrecht zu halten.

Von da an spielte ich Lokomotive für uns drei. Die 30km gingen wie bei 1:44:57h durch.
Noch alles voll im Soll, auch wenn wir etwas an Zeit verloren hatten. Meine Aufforderung die Führung mal zu übergeben, wurde mit einem keuchenden „No“ beantwortet. 
Obwohl meine Atmung recht „ruhig“ ging, konnte ich die Frequenz muskulär nicht mehr umsetzen -.- Ab Kilometer 35 versuchte ich es „nur noch“ mit Schadensbegrenzung. Wenn wir ein Tempo von 3:36/km halten, kommen wir unter 2:30h ins Ziel.

Ab Kilometer 37,2 werden in Osaka die letzten Kilometer mit „5 to go“, „4 to go“ usw. angezeigt. Und bei mir gewann wieder das Rechnen! Zwischen Kilometer 38 und 39 forderte ich meine Mitläuferin (die 2. Japanerin war schon abgefallen) nochmal auf auch mal zu führen, denn inzwischen hatte der Gegenwind an meinen Kräften gezerrt. Misaki Nishida ging an mir vorbei und ich konnte mich bis ca. 1 Kilometer vor Ziel etwas „erholen“.

Den letzten Kilometer liefen wir nebeneinander und zogen uns an die vor uns laufenden Mädels nochmal ran.
Die letzten 300m liefen wir dann im Stadion,  holten das erste Mädel ein und ich mobilisierte nochmal alles und konnte auch die zweite Läuferin noch abfangen.

Platz 14 in 2:28:48h – komplett ko, aber happy über den doch guten Ausgang.
Misaki bedankte sich bei mir im Ziel, da ich sie zu einer 4-Minuten besseren Zeit gezogen hatte. Und ich bei ihr, dass sie mir ebenso geholfen hatte, durchzukommen.

–> Ergebnisse

Nach dem Rennen

Am Abend gab es im Hotel pünktlich die Siegerehrung mit Bankett und japanischen Spezialitäten. In der knappen Stunde zwischen Ankunft im Hotel und fertig gestylt Erscheinen, stopfte ich noch eine Massage hinein – Pflege muss sein. Trotz der guten Behandlung war das anschließend eine Stunde still stehen der zweite Marathon an diesem Tag. Es wurden viele Bekanntschaften geschlossen und Kontakte ausgetauscht und zum Essen kamen wir eigentlich gar nicht. Zum Glück, denn die Afterparty entpuppte sich als sitzender Gaumenschmaus – eine wahre Wohltat für meine Beine.

Ein bisschen Kultur

Obwohl die meisten am Montag bereits abreisten, hatten wir im Vorfeld um eine Aufenthaltsverlängerung von einem Tag gebeten, auf eigene Kosten natürlich. 
Somit sahen wir noch etwas von Osaka und den Tempeln in Nara. Obwohl es schüttete und stürmte wie verrückt, war es ein toller letzter Tag in Japan, der mit einem wunderbaren Essen, bei dem ich nun auch endlich alles probieren durfte, abgerundet wurde.

Nun sitze ich wieder im Flieger nach Hause und lasse die Eindrücke noch auf mich wirken. Mit vielen guten Wünschen und Wiedersehensversprechungen haben wir uns von tollen Menschen verabschiedet. Nun heißt es für mich warten und Daumendrücken, dass der Traum von den Olympischen Spielen in diesem tollen Land wahr wird :))

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