‚Nüchtern-Lauf’

In letzter Zeit werde ich immer mal wieder gefragt, ob ich ‚Nüchtern-Läufe’ mache und was ich davon halte. Um dies korrekt zu beantworten, müssen folgende Fragen erstmal beantwortet werden.

 

©Kilian Kreb

Was versteht man unter einem Nüchtern-Lauf?

Die simple Antwort: Man geht mit leeren Bauch laufen, vorwiegend bezieht sich das auf die Morgenstunden nach dem Aufstehen, allerdings kann man auch vom nüchternen Laufen sprechen, wenn man mehr als 8 Stunden nichts mehr gegessen – der Magen wieder leer ist.

Ein Glas Fruchtschorle oder eine Kleinigkeit davor zu sich zu nehmen, machen den ‚Nüchtern-Lauf’ in meinen Augen zu einem normalen Dauerlauf. Man kann dann nicht mehr von ‚nüchtern’ sprechen.

Was will man mit einem Nüchtern-Lauf erreichen?

Angeblich werden aufgrund der nach dem Schlafen nicht mehr so vollen Glykogen-Speicher die „Fettreserven“ vermehrt angesteuert und dadurch der Fettstoffwechsel angeregt (sehr einfach erklärt).

Ich halte mich dazu hier knapp, denn es gibt bereits sehr viele Artikel im Netz, die das Thema fachlich behandeln à Links habe ich am Ende des Artikels dazu aufgeführt.

©Gesa Krause

Ist mein Auftakt oder ein lockerer Dauerlauf sonntags vorm Frühstück ein Nüchtern-Lauf?

Ganz genau gesehen, sind mein Auftakt von 30 Minuten oder der lockere Dauerlauf vor dem Frühstück, um einen freien Tag genießen zu können, ein Nüchtern-Lauf. Allerdings bezwecke ich damit keine Fettverbrennung, denn diese trainiere ich bei langen Läufen.

Was halte ich davon / mache ich das?

Ich persönlich halte von den sogenannten Nüchtern-Läufen von 20 bis 40 Kilometern gar nichts. Zum einen bekomme ich bereits bei einem lockeren Dauerlauf, der an eine Stunde herangeht, einen ‚Hungerast’ und merke, dass meinem Körper die Energie schwindet. Zum anderen möchte ich meine langen Läufe mit Qualität laufen, benötige dafür Energie und nutze diese Läufe nicht zum Abnehmen.

Der Körper wird an eine Grenze geführt, wo er seine Energie aus Reserven zieht und Stellen im Körper ‚angreift’, ihnen wichtige Nährstoffe entzieht, die bereits Schwachpunkte darstellen. Die Wahrscheinlichkeit einer Entzündung, Reizung oder gar Verletzung wird deutlich erhöht.

Was unsere kenianischen Läufer angeht, muss man wissen, dass, wenn diese ihre ‚Nüchtern-Läufe’ früh gegen 5:30/6:00 Uhr machen, diese auch mal über eine längere Distanz, so haben sie am vorangegangenen Abend (22:00 Uhr – sie essen sehr spät) sich kohlenhydratreich ernährt. Die meisten trinken früh auf die Schnelle Tee oder nehmen Bananen zu sich.

Wo wir Europäer oft abends auf Kohlenhydrate verzichten, so besteht die Ernährung der afrikanischen Läufer hauptsächlich aus Kohlenhydraten. Fleisch ist teuer und kann sich nicht jeder leisten. Der Tee ist so zuckerhaltig, dass der Löffel drin stehen kann 😉 Energie ist also genug in den Speichern vorhanden. Kann man dann also noch von ‚Nüchtern-Läufen’ sprechen?

©Lothar Köthe Photography

Ich kenne keinen Profiathleten in der Weltspitze, der nicht bei langen Läufen Energie in Form von Getränken oder Gels zu sich nimmt. Als Marathonläufer ist man auf eine stabile Energiezuführung angewiesen, um über einen längeren Zeitraum eine hohe Leistung abrufen zu können. Dabei beginnt die Energiezuführung bereits ab der ersten „Getränke-Aufnahme“. Denn die Nährstoffe brauchen ihre Zeit, bis sie in die Zelle gelangen. Es bringt also nichts, Energie erst dann zu zuführen, wenn man beginnt, zu schwächeln.

Und gefrühstückt wird im Vorfeld dennoch!

–>Herbert Steffny

 

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